Seit rund einem Jahrzehnt beschäftigt Cengiz Ehliz diverse Investoren und Lizenznehmer mit seiner Vision einer digitalen Revolution des schwächelnden Einzelhandels. 2008 begann die Vision als IQ Concept, wurde später zu „FlexKom“ und danach zu „FlexCom“ umbenannt, hieß dann  „weeCONOMY“ und nun einfach „wee“.

In bunten Farben malten wechselweise Cengiz Ehliz, Michael Scheibe, Peter Grünewald oder mal Asker Sakinmaz, Hasan Süslü oder Rudolf Engelsberger die Verdienstmöglichkeiten für Partner aus. Doch richtig im europäischen Einzelhandel angekommen ist „wee“ nicht. Zu wenige Akzeptanzstellen in der Fläche können kaum mit den Versprechungen der „wee“-Familie mithalten. Jeder mag den Selbstversuch wagen, ob es „wee“ im Einzelhandel tatsächlich gibt.

Aber während Payback und Konkurrent Deutschlandcard an fast jeder Kasse zu finden ist und Firmen, wie Wirecard den Markt mit mobile Payment Lösungen erobern, hoffen Investoren und Lizenznehmer um „wee“ auf Erträge. Erträge aber scheinen in diesem System nur durch den Verkauf von Lizenzpaketen erwirtschaftet werden zu können. Diese können auch mal Tausend Euro Kosten.

Wir sprachen jüngst mit einem Lizenznehmer von „wee“. Der Mann (Name ist der Redaktion bekannt) hat vor rund zwei Jahren 540,00 Euro für ein Einstiegspaket zuzüglich eines Premiumupgrade für satte 990,00 Euro investiert. Dafür wurden ihm durch „wee“ 200-400 Euro mtl. Zusatzverdienst ohne Aufwand versprochen. Aktien sollte es auch geben. Doch die Auslieferung der Wertpapiere verzögert sich bis heute.

Man verlangte von ihm weitere Interessenten für „wee“ anzuwerben, denen dieselben Vorteile für den Eintritt in das System versprochen wurden. Angeblich sollten wirkungsmächtig geschaltete TV-Werbespots das Geschäft von „wee“ ins Laufen bringen. Doch auch die „große Welle“ der angekündigten TV-Spots blieb bislang aus. Er und andere Lizenznehmer empfinden „wee“ mittlerweile “nur noch als Show”. Tatsächlich hat unser Gesprächspartner in zwei Jahren gerade mal 2,50 Euro ausgeschüttet bekommen.

Auch in diversen Videoclips auf Facebook finden oder fanden – viele sind mittlerweile nicht mehr auffindbar – sich Versprechungen über Maßnahmen, die den „wee“-Marktplatz zum Explodieren bringen sollten. Neben den TV-Werbespots sprach Cengiz Ehliz hier beispielsweise von Mini-Jobbern und Callcentern. Diese sollten einen großen Teil des Vertriebs übernehmen. Nach meinem Kenntnisstand wurden sie bis heute allerdings noch nicht installiert.

Fleißig und effizient bei wee ist vor allem die Pressearbeit

Pressesprecher Tilmann Meuser befüllt zwar anscheinend diverse Internetseiten (https://www.brennpunkt-wirtschaft24.de) und gekaufte Advertorials namhafter Medienseiten mit angeblich recherchierten Jubelmeldungen einer freien Presse doch tatsächlich bleibt „wee“ in meinen Augen eine fragwürdige Show.

Tagesspiegel Advertorial
Facebook Cengiz Ehliz

Im Grunde ist es egal, ob „wee“ über eine weeNexx AG oder die Luxemburger COOINX S.A. mittels eines ICO weitere Gelder einsammelt. Am Ende bewerben mehr oder weniger alle Akteure bzw. Profiteure um Cengiz Ehliz und Michael Scheibe – man erkennt sie an ihren Siegelringen und dem erhobenen Daumen – die große Vision von wee irgendwas!