Alle getroffenen Aussagen sind KEINE rechtliche Beurteilung. Die Recherchen sind nach meinem besten Wissen und Gewissen erarbeitet.

Die skurrile Pressekonferenz und Opferrolle der Marke „Wee“ um Cengiz Ehliz, wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Es lädt ein, die weeBusiness GmbH und die Mutter des wee-Konglomerats, die Swiss Fintec Invest AG. In München, im Headquarter der sogenannten „wee-Gruppe“ soll eine vermeintliche Hetzkampagne aufgedeckt werden.

An dem in der Walter-Gropius-Str. 15, in München befindlichen Gebäude hängt in großen Lettern die Marke, die Vision von Präsidenten Cengiz Ehliz (nicht Präsident von beiden einladenden Gesellschaften, aber von einer anderen mit Sitz in der Schweiz). Dort befindet sich, nach eigener Aussage, das operative Geschäft. Hier sitzen die Gesellschaften mit der Rechtsform GmbH. Wieso die Mutter und weitere Gesellschaften in der Schweiz und Luxemburg sitzen, lässt sich nicht abschließend aufklären. Schweizer Aktiengesellschaften, insbesondere Holdinggesellschaften sind nicht nur aufgrund ihrer Steuervorteile sehr attraktiv, sondern auch aufgrund der gewährten Anonymität.

Quelle: Landfall-Media (srt)

Zurück nach München.

Cengiz Ehliz ist seit vielen Jahren das Gesicht und das Herz dieser Marke. Seine Vision: Den Einzelhandel revolutionieren indem ihn digitalisiert und weltweit vernetzt. An Seinen müden Augen und der ungewohnt zurückhaltend Gestik erkennt man, die letzten Monaten haben ihn sichtlich mitgenommen. Getrübte Stimmung erfüllt den Raum. Wohin mag die Kraft und der Enthusiasmus in Ehliz´ Stimme gewichen sein. An der einen oder anderen Stelle wirkt es gar, als stünde er den Tränen nahe. Dabei kennen wir den smarten Visionär doch ganz anders.


Cengiz Ehliz, Youtube, 16.04.2019 – „Wee Pressekonferenz am 12.4.2019“
Quelle: Facebook öffentliches Profil

Hier zu sehen auf einem Foto aus glücklichen Tagen im Januar 2014 (Bild Quelle: Facebook). Den Namen „Flexkom“ trug seine damalige “Vision”. Die Rolle von Flexkom wird in einem anderen Text behandelt.

Die Mikrofone knacken und nach anfänglicher Unbeholfenheit beginnen die älteren Herren ihre Agenda. Ich habe die Pressekonferenz angeschaut und nehme mir das Recht einige Äußerungen und Behauptungen richtig zu stellen und oder nach meinem Gutdünken zu bewerten.

Inital Coin offerings – Potential und Risiken.

Im November 2018 startete die „Wee Family and Friends“ Token-Aktion, mit der die Partner belohnt wurden. Ein Highlight des Geschäftsjahres 2018. 20 Milliarden wee ICO-Token wurden hierbei aufgesetzt und den wee-Partnern angeboten.

Was ist ein ICO und was bedeutet es einen token zu besitzen?

Ein ICO ist […] eine unregulierte Methode des Crowdfundings, die von Firmen verwendet wird, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen basiert. Mit dieser Methode der erstmaligen Kapitalaufnahme vermeiden Kryptowährungs-Firmen den streng regulierten Prozess der Kapitalaufnahme, der von Risikokapitalgebern, Banken oder Börsen vorgeschrieben wird. In einem Initial Coin Offering wird ein Anteil einer neu emittierten Kryptowährung an Anleger verkauft im Austausch gegen staatlich emittierte Währungen. Wikipedia

Einfacher gesagt:
Ein ICO ist in erster Linie keine Belohnung, sondern ein Mittel um „Geld einzusammeln“. Viele junge Unternehmen haben es nicht leicht Kapital für ihre Idee zu finden. Denn Banken und großen Investoren sind nicht bereit einfach so zu investieren. Deshalb starten die Unternehmen eine sogenannte Crowdfunding Kampagne.

Anstatt sich Geld von Banken oder Business-Angels zu holen, die Profis in diesem Geschäft sind, besorgt man sich Geld von Jedermann. Crowdfunding ist an vielen Stellen sehr sinnvoll und das vor allem, wenn der „Investor“ eine persönliche Bindung zum Projekt hat. Wie beispielsweise beim örtlichen Schachclub, der Geld benötigt, um sich die Reise zum Bundesfinale zu finanzieren oder der Kneipe um die Ecke, die ohne neue Finanzspritze geschlossen werden müsste.

Daraus ergibt sich bereits, wieso das ICO im Gegensatz zum klassischen Crowdfunding problematisch ist. Man gibt also Geld, damit mit diesem Geld eine Kryptowährung hergestellt werden kann. Als Gegenleistung bekommt man einen Token, in der Regel ein Anteil einer Währung die noch gar nicht existiert. So kann schnell eine Menge Geld eingesammelt werden.

Eine Studie aus 2018 nahe, dass 80 PROZENT der ICOs in 2017 als Betrug einzuordnen seien.

“On the basis of the above classification, as a percentage of the total number of ICOs, we found that approximately 78% of ICO’s were Identified Scams, ~4% Failed, ~3% had Gone Dead, and ~15% went on to trade on an exchange.” – https://research.bloomberg.com/pub/res/d28giW28tf6G7T_Wr77aU0gDgFQ

Der Verbraucher erkennt das bei seinem ersten Kontakt mit einem ICO kaum. Das liegt vor allem daran, dass man auf dem kaum regulierten und sehr jungen Crypto Markt kaum allgemeingültige Standards hat. So kann auch ein schlechter Coin mit einer guten Kampagne potentiell hohe Wellen schlagen. Man gaukelt dem Konsumenten vor, dass gerade dieses ICO revolutionär sei und die Gelegenheit, um gute Rendite zu erzielen. Facebook und Google hatten einige Zeit lang die Werbung für ICOs komplett verboten. Man stürzt sich auf den Hype um Bitcoin und Ethereum, bei der es den frühen Käufern gelungen ist ein wahnsinniges return on invest zu erzielen.

Erinnert uns das an das „Family and Frieds“ Programm?

Das Problem eines Invests in ein ICO ist, dass der Verbraucher keine Möglichkeit hat hier etwas zurück zu fordern. Eine gesetzliche Regulierung fehlt vollkommen. Daher haben einige Länder, so beispielsweise China, sämtliche ICOs mittlerweile verboten.

Aber nicht alle sind Betrüger! Ich möchte keinesfalls behaupten, dass es sich im vorliegenden Fall um einen Betrug handelt. Es gibt gar verschiedene Mittel um die Seriosität einer Veröffentlichung zu prüfen.

Das Whitepaper

In der Pressekonferenz wird von den Anwesenden erklärt, dass für ein ICO KEIN Whitepaper oder Lightpaper erforderlich sei. Ein Whitepaper beschreibt detailliert das Geschäftsmodell und Ziel des Unternehmens, welches durch das ICO finanziert werden soll.

Es ist richtig, dass für ein ICO KEIN Whitepaper oder Lightpaper zwingend vorgeschrieben ist.

Sie sind heutzutage allerdings ein anerkanntes Instrument, um die Seriosität eines Projektes zu unterstreichen. Der Investor, der bei einem ICO in der Regel eine Privatperson ist, soll erkennen, welches Vorhaben hinter Token steht. Denn mit dem Kauf dieser Token „wettet“ der Investor quasi darauf, dass das dahinterstehende Geschäft erfolgreich sein wird und er somit einen return on invest oder innerhalb des Systems einen Gegenwert erlangt.

Ob ich persönlich das hinter dem token stehende Vorhaben für erfolgsversprechend halte, werde ich in einem weiteren Beitrag ausführlich erläutern.

Das von der korrekten Gesellschaft (der WeeNexx AG) vorgelegte Whitepaper und Lightpaper kann hier eingesehen werden.  Eine eingehende Analyse der Qualität dieser Dokumente und deren Stichhaltigkeit erfolgt in einem anderen Beitrag.

Aber wer ist denn nun für das ICO verantwortlich?

Die Akteure der „wee-Gruppe“ behaupten wiederholt, auch in der Pressekonferenz, dass weder „wee“ noch „COOINX“ mit dem Crypto Coin von „wee“ zu assoziieren seien. Tilman Meuser wörtlich: Es wird unterstellt, dass Michael Scheibe und Cengiz Ehliz einen ICO planen. Michael Scheibe bestätigt dies mit den Worten, es sei ein „völliger Schmarrn“. Meuser weiter: Weder Cengiz Ehliz, noch Michael Scheibe hatten jemals vor ein ICO umzusetzen.

Wir stellen fest, sie haben recht. Denn die WeeNexx AG (deren Mutter die Swiss Fintec Invest AG ist, die den Börsengang vollzogen hat) und nicht eine der vielen anderen „wee“-Gesellschaften ist technisch verantwortlich für die Umsetzung des ICO. Die vermeintlichen Denunzianten schienen – sicher wie der ein oder andere Verbraucher – von dem nach „Coin“ (Bezeichnung für eine Kryptowährung) klingenden Namen „COOINX“ auf eine falsche Fährte gelockt worden zu sein.

Vielleicht rührt es auch daher, dass die COOINX S.A. zeitgleich mit der Idee eines ICO – der natürlich nichts mit Cengiz Ehliz und Michael Scheibe zu tun hat – auf der Bildfläche erschienen ist und „COOINX“ in diversen sozialen Medien für das ICO bzw. den token bzw. den Coin wirbt.

Für einen Verbraucher ist es schier unmöglich die verschiedenen Aktivitäten den entsprechenden Gesellschaften zuzuordnen. Nach meinem derzeitigen Recherchestand sind es 13 verschiedene Gesellschaften. Deren Beziehungen ich in einem anderen Beitrag versuchen werde darzustellen.

Instagram

Die Trennung der Geschäftsfelder wird auch nicht durch einen Blick auf das Instagram Profil von Herrn Michael Scheibe ersichtlich.

Machen Sie den Selbstversuch und versuchen Sie herauszufinden, was in dem Produkt von COOINX enthalten ist – https://cooinx.com/produkte/

Produkte der COOINX S.A. – Screenshot

Randnotiz – Virtual Offices und Produkte die perpetuum mobile gleich Geld produzieren, sind Teil des 1×1 für Scammer. Siehe neuste Enthüllungen der ARD (QN Europe)